China ist mittlerweile einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands geworden. Bei den Einfuhren liegt die Volksrepublik mittlerweile vor den USA auf Rang 3 und nur knapp hinter Frankreich und den Niederlanden. Den Importen im Wert von 55 Milliarden Euro standen 2007 immerhin Exporte deutscher Unternehmen nach China in Höhe von rund 30 Milliarden Euro gegenüber. Für deutsche Unternehmen, insbesondere aus der Chemie- und Automobilbranche, ist China darüber hinaus zu einem der bevorzugten Investitionsstandorte geworden. Ungeachtet dieser Bilanz haben sich die deutsch-chinesischen Beziehungen jüngst erheblich eingetrübt. Ursache hierfür ist die Kritik der deutschen Regierung an der chinesischen Menschenrechtspolitik im allgemeinen und der Tibet-Politik im Besonderen. Führende Vertreter der deutschen Wirtschaft rufen demgegenüber die Politik zu einer stärkeren Zurückhaltung im Umgang mit China auf. Sie warnen vor einseitigen Urteilen, insbesondere aber vor den negativen wirtschaftlichen Folgen einer offenen Brüskierung der chinesischen Staatsführung. Vor diesem Hintergrund hat der Deutsche Führungskräfteverband die rund 1.040 Mitglieder seines Umfrage-Panels "Manager-Monitor" befragt, welche Rolle aus ihrer Sicht die Wirtschaft im Dialog mit China spielen sollte. An der Umfrage haben sich mit 419 Führungskräften rund 40 Prozent der Panelmitglieder beteiligt. Die Ergebnisse Die Bedeutung der Volksrepublik China als Wirtschaftspartner deutscher Unternehmen spiegelt sich auch in den Antworten wieder. 73 Prozent der Befragten geben an, ihr Unternehmen sei in nennenswertem Umfang auf dem chinesischen Markt aktiv bzw. es unterhalte enge Wirtschaftsbeziehungen mit chinesischen Unternehmen. Bei der Frage nach der Rolle der Wirtschaft in der Menschrechtsfrage ergab sich ein klarer Meinungstrend: 69 Prozent stimmen der Auffassung zu, dass die deutsche Wirtschaft gegenüber ihren chinesischen Handelspartnern die Frage der Menschrechte thematisieren sollte, da Politik und Wirtschaft in China so eng miteinander verknüpft seien, dass die Menschenrechtsfrage nicht vollständig ausgeblendet werden könne. 31 Prozent befanden, die Wirtschaft solle diese Frage der Politik überlassen. Interessant dabei: Die Antworten der Befragten, deren Unternehmen in China oder mit chinesischen Unternehmen wirtschaftlicht tätig sind und der übrigen Befragten unterscheiden sich hierbei nur im Nachkommabereich. Diejenigen Befragten, deren Unternehmen selbst in China tätig sind oder die enge Wirtschaftsbeziehungen unterhalten, beurteilen die Konsequenzen der derzeitigen diplomatischen Verstimmung eher gelassen. Lediglich 21 Prozent rechnen mit negativen Konsequenzen für ihr Unternehmen, 14 Prozent sehen sich nicht in der Lage, eine Einschätzung abzugeben, 65 Prozent rechnen mit keinen negativen Konsequenzen. Abschließend wurden diejenige Umfrageteilnehmer gebeten, die mit negativen Konsequenzen für ihr eigenes Unternehmen rechnen, diese Folge zu beurteilen. Die übrigen Teilnehmer wurden gebeten, das Risiko negativer wirtschaftlicher Konsequenzen für die deutsche Wirtschaft insgesamt zu beurteilen.
Bei dieser Unterauswertung ergaben sich messbare Unterschiede. Zwar ist in beiden Gruppen die Mehrheit der Auffassung, vorübergehende wirtschaftliche Nachteile müssten in Kauf genommen werden. Die Anteil derer, die die politische Kritik für berechtigt, aber untauglich (41 Prozent gegenüber 32 Prozent) oder sogar ganz oder überwiegend für unberechtigt halten (5 Prozent gegenüber 0 Prozent) ist bei den Führungskräften, die negative Effekte für ihr eigenes Unternehmen befürchten, deutlich höher als bei denen, die ohne eigene Betroffenheit das Risiko negativer Konsequenzen für die deutsche Wirtschaft insgesamt bewerten. |
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